ERASMUS-Praktikumsbericht: Konstruktionsprojekte und Kultur in Taiwan

ERASMUS-Praktikumsbericht: Konstruktionsprojekte und Kultur in Taiwan

Mittwoch, 01. Oktober 2025

ERASMUS-Auslandspraktikum in Taiwan von Bastian Eberhard

Im Rahmen des Erasmus+ Förderprogramms und in Zusammenarbeit mit der Technikerschule Neumarkt erhielt ich die Möglichkeit, ein zweiwöchiges Auslandspraktikum in Taichung, Taiwan zu absolvieren. Ziel des Aufenthalts war es, in einem internationalen Umfeld praktische Erfahrungen zu sammeln, ein technisches Projekt aktiv mitzugestalten und zugleich interkulturelle Kompetenzen zu erweitern.

Das Projekt war thematisch eng mit dem regional stark verankerten Radsport verbunden. Über die Firma Messingschlager GmbH & Co. KG aus Baunach, einem der größten Importeure und Distributoren von Fahrradteilen in Europa, ergab sich die Kooperation mit dem taiwanischen Partnerunternehmen Marx-Tech TW Ltd.. Während Messingschlager in Deutschland als Vertriebs- und Innovationspartner agiert, übernimmt Marx-Tech die Entwicklung, Konstruktion und Qualitätskontrolle von Fahrradkomponenten direkt vor Ort in Asien.

Firma Messingschlager
Marx-Tech TW Ltd.

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Abbildung 3: Arbeitsplatz im Büro
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Abbildung 1: Firmenlogo
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Abbildung 2: Ausblick auf Taichung aus dem Büro
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Abbildung 4: Fertiges Pedaldesign

Projektarbeit und Tätigkeiten

Das Projekt drehte sich um die Entwicklung eines neuen Mountainbike-Pedals. In den ersten Tagen nahm ich an Team-Meetings und Werksbesuchen teil, unter anderem bei Chang-Yong einer CNC-Fertigung und bei einem Achshersteller FPG. Dort erhielt ich spannende Einblicke in verschiedene Fertigungsverfahren wie Extrusion, Druckguss und Schmieden und lernte die Eigenschaften unterschiedlicher Aluminiumlegierungen kennen.

Im weiteren Verlauf arbeitete ich mit CAD-Programmen an der Konstruktion des Pedals und bereitete den 3D-Druck für die Prototypen vor. Diese wurden mehrfach erstellt, geprüft und verbessert, unter anderem durch Anpassung der Maße und Verstärkung bestimmter Bauteile. Parallel dazu unterstützte ich die Projektorganisation, indem ich die Smartsheet-Timeline überarbeitete. Zum Abschluss fertigte ich 2D-Bauteilzeichnungen mit Toleranzen an, die an eine CNC-Firma weitergegeben wurden.

Kulturelle Eindrücke

Neben der fachlichen Arbeit bot mir das Praktikum die Möglichkeit, die Kultur und das Leben in Taiwan intensiv kennenzulernen. Besonders eindrucksvoll waren die Wochenendausflüge mit dem Fahrrad. Ich konnte sowohl durch die Berge als auch entlang der Küste fahren und dabei die landschaftliche Vielfalt Taiwans erleben. Daneben besuchte ich regelmäßig die lebhaften Nachtmärkte. Die große Auswahl an Street Food – von traditionellen Gerichten bis zu modernen Snacks – gab mir einen authentischen Eindruck von der taiwanischen Esskultur.
Auch das Arbeitsumfeld half mir, meine Englischkenntnisse deutlich zu verbessern. Da im Betrieb viel auf Englisch kommuniziert wurde, stellte dies anfangs eine kleine Herausforderung dar. Durch die tägliche Zusammenarbeit im Team, gemeinsame Besprechungen und auch die privaten Gespräche mit Kollegen konnte ich mein Sprachverständnis aber schnell vertiefen und mich sicherer ausdrücken.

Fazit

Insgesamt war die Projektarbeit in Taiwan für mich eine sehr wertvolle und prägende Erfahrung. Ich konnte meine Kenntnisse im CAD-Design und Prototyping erweitern, mein technisches Verständnis vertiefen und gleichzeitig meine Englischkenntnisse verbessern. Darüber hinaus habe ich durch meinen Aufenthalt meinen persönlichen Horizont erweitert und unvergessliche Eindrücke von Land und Leuten mitgenommen.

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Abbildung 5: Fengchia Night Market
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Abbildung 6: Gaomei Wetlands
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Abbildung 7: Dakeng Hiking Trail No.3

ERASMUS-Praktikumsbericht: Bauprojekte und Naturerlebnisse im Kleinwalsertal

Mittwoch, 01. Oktober 2025

ERASMUS-Auslandspraktikum in Österreich von Johanna Baumann

Vorstellung der Praktikumsumgebung

Ich habe mein Praktikum in Österreich absolviert, das aus insgesamt neun Bundesländern besteht. Meine Praktikumswochen verbrachte ich im westlichsten Teil des Landes, im zweitkleinsten Bundesland: Vorarlberg. Vorarlberg grenzt an Deutschland, die Schweiz und Liechtenstein und ist bekannt für seine alpine Landschaft, seine hohe Lebensqualität sowie seine traditionsbewusste und zugleich moderne Baukultur.


Mein Praktikumsbetrieb hatte seinen Sitz in Mittelberg, einer Gemeinde im Kleinwalsertal. Dieses Tal stellt eine geografische Besonderheit dar: Es gehört zwar zu Österreich, ist jedoch aufgrund der Lage ausschließlich über Deutschland (genauer: über Oberstdorf in Bayern) auf dem Verkehrsweg erreichbar. Dadurch bestehen enge wirtschaftliche und infrastrukturelle Verbindungen zwischen dem Tal und dem benachbarten Allgäu.
Das Unternehmen, bei dem ich mein Praktikum absolvieren durfte, betreut ausschließlich Bauprojekte im Kleinwalsertal. Durch diese klare regionale Ausrichtung hatte ich die Möglichkeit, zahlreiche verschiedene Bauvorhaben direkt im Tal kennenzulernen.


Der Betrieb beschäftigt aktuell fünf Mitarbeitende, darunter zwei Bauzeichnerinnen, einen Energieberater, eine Bürokauffrau sowie den Geschäftsführer, der gleichzeitig als Bauleiter fungiert. Gearbeitet wird hauptsächlich mit dem österreichischen CAD-Programm ABiS, vorwiegend in 2D. Das Leistungsspektrum des Büros umfasst die Erstellung von Bauanträgen, Energieberatungen, die Bauleitung vor Ort sowie Bauträgertätigkeiten. So erhielt ich im Laufe meines Praktikums Einblicke in alle Planungs- und Ausführungsphasen eines Bauprojekts – von der ersten Idee bis zur Umsetzung auf der Baustelle

Erasmus - JB1
Erasmus - JB2

Praktikumstätigkeiten

Während meines Praktikums konnte ich zahlreiche Baustellen begleiten und dabei wertvolle Einblicke in die Abläufe auf dem Bau sowie in die Aufgaben der Bauleitung gewinnen. Besonders spannend war die Renovierung einer Wohnung, bei der ich die Verlegung von Vinylboden, die Montage von Heizkörpern und Sanitäranlagen sowie Elektroinstallationen miterleben durfte.


Bei einer weiteren, fast abgeschlossenen Sanierung eines Zweifamilienhauses wurde die Hofeinfahrt asphaltiert. Mir wurde erklärt, dass Asphalt in der Region häufig bevorzugt wird, da er bei Schneefall leichter zu räumen ist und sich besser für steile Zufahrten eignet. Auch die Fassadengestaltung war interessant: Im Erdgeschoss kam Kunststein mit Bruchsteinoptik zum Einsatz, im Obergeschoss eine rustikale Holzverkleidung mit einer vorgesetzten Schalung.


Auf einer weiteren Baustelle wurde das Dachgeschoss eines bestehenden Gebäudes umgebaut. Ich konnte den Rückbau der Innen- und Außenwände begleiten, bei dem alte Verkleidungen entfernt und verschiedene Materialien wie Ziegel- und Bimssteine freigelegt wurden. Parallel dazu durfte ich im Büro die Mengen für Maler-, Boden- und Estricharbeiten ermitteln und bei der Erstellung der Ausschreibungstexte mitwirken.


Auch bei der Sanierung eines denkmalgeschützten Altbaus war ich dabei. Dort entstehen eine Gaststätte, Verkaufsräume und eine Wohnung. Besonders die Umsetzung traditioneller Elemente unter Berücksichtigung moderner Bauvorschriften war hier eine Herausforderung.
Zusätzlich nahm ich an Planungsgesprächen für zukünftige Projekte teil, etwa für den Umbau eines Gasthofs in Ferienwohnungen oder den Neubau eines Ärztehauses.

Landschaftliche und kulturelle Einblicke ins Kleinwalsertal

In meiner Freizeit habe ich das alpin geprägte Kleinwalsertal bei zahlreichen Wanderungen erkundet. Besonders beeindruckt hat mich eine Tour ins idyllische Gemsteltal. Am Ende des Tals öffnet sich der Blick auf einen beeindruckenden Wasserfall, den man zwar nur aus der Ferne sieht, der aber dennoch ein echtes Highlight darstellt. Auf einer Alm genoss ich anschließend eine typische österreichische Hüttenbrotzeit mit selbstgemachtem Käse – ein echtes Geschmackserlebnis. Ein besonderes Highlight war der Moment, als der Wirt ein Fernrohr aufstellte und ich zum ersten Mal in meinem Leben Steinböcke beobachten konnte.


Ein weiteres unvergessliches Erlebnis war die Wanderung auf das Walmedingerhorn, das 1.990 Metern hoch ist. Der Aufstieg wurde mit einem atemberaubenden Panoramablick über das Kleinwalsertal und die umliegenden Gipfel belohnt, dabei konnte ich sogar einen Blick auf die Zugspitze werfen. Für den Rückweg nutzte ich die Seilbahn – ein praktisches Angebot, denn im Sommer können Übernachtungsgäste Busse und Bergbahnen im Tal kostenlos nutzen.


An meinem letzten Praktikumstag erlebte ich noch ein echtes Stück regionaler Tradition: den Viehscheid im Kleinwalsertal. Schon am frühen Morgen hörten wir im Büro das Bimmeln der Kuhglocken. Gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen stellten wir uns vor das Büro und beobachteten, wie die festlich geschmückten Kühe und ihre stolzen Hirten durchs Dorf zogen. Am Nachmittag wurde dieses Ereignis in Riezlern mit einer kleinen Feier, Live-Musik und regionalen Marktständen gebührend gefeiert.

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Fazit

Insgesamt war das Praktikum für mich sehr lehrreich. Ich konnte nicht nur meine bautechnischen Kenntnisse vertiefen, sondern auch einen umfassenden Einblick in die Praxis der Bauplanung und -leitung gewinnen und das Land Österreich, seine Landschaft und dessen Kultur besser kennenlernen.